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Kettenspannung

Verfasst: Mi 11. Sep 2019, 12:07
von Lonzoglunz
Hallo zusammen,

vorige Woche ist mir etwas passiert, was mir in den 50 Jahren meiner Motorradkarriere noch nie passiert ist: Mir ist die Kette abgesprungen. Glücklicherweise lief sie danach noch "sauber", allerdings ohne Antrieb, zwischen Kettenrad und Speichenkranz der Nabe; ist also nicht gerissen und es hat auch nichts blockiert und es wurde auch nichts beschädigt (Glück gehabt). Diese Kette war eine RK-Kette (noch von WUNDERLICH) die ich vor gerade mal knapp 1.000 km mit neuem Ritzel und Kettenrad montiert hatte und dabei natürlich auch nach Vorschrift eingestellt hatte. Offenbar hatte sie sich bei dieser relativ kurzen Laufdauer derart gelängt, dass sie abspringen konnte. Sie machte mir ohnehin im Vergleich zu der Originalkette einen recht filigranen Eindruck, sodass ich gleich eine neue D.I.D. 428 VX /130 extra verstärkt montiert habe.
In diesem Zusammenhang habe ich mir auch mal überlegt, wie man am besten die Linie Kettenritzel - Schwingenlagerung - Hinterachse ermitteln kann.
Ich habe dafür einen 700 mm langen Anschlagwinkel - den gab´s mal bei LIDL im Dreierpack - benutzt. Auf dessen Mittellinie habe ich drei 6 mm Bohrungen angebracht. In die vordere habe ich eine Schraube eingesetzt, die mit ihrer Zentrierspitze genau in die Zentrierbohrung der Ritzelwelle hineinragt. Durch die mittlere Bohrung wird der Winkel mit einer kurzen Schraube in der M6-Bohrung des Schmiernippels der Schwingenachse verschraubt. Die Hinterachse bekommt genau im Zentrum ihres Kopfes eine deutliche Körnermarkierung, die man durch die dritte Bohrung erkennen kann. Vor dem Anbringen des Anschlagwinkels muss der hintere linke Fußrastenhalter abgebaut werden, damit er nicht mehr im Wege ist. Auch die Federbeine sollten abgebaut werden, dann kann man bei aufgebockter Maschine durch Unterlegen von Brettchen das Hinterrad soweit anheben, bis die Körnermarkierung mittig durch die dritte, hintere Bohrung sichtbar ist. In dieser Position stehen alle drei Punkte genau in einer Linie und die Kette hat den geringsten Durchhang und lässt sich so am besten einstellen.
Hierzu drei Fotos zur besseren Anschauung.

Lonzoglunz
DSCN3268 (Copy).jpg

Re: Kettenspannung

Verfasst: Mi 11. Sep 2019, 12:23
von SRatte
Ein enormer Aufwand für ein recht simples Problem.....

Re: Kettenspannung

Verfasst: Mi 11. Sep 2019, 13:38
von Emmpunkt
Genau um ein solche Aufwand nicht betreiben zu müssen, hab ich einen Eigenbau-Kettenspanner mit Gleitschiene und einen McCoi Kettenöler.
Die Kettenspannung ist somit fast Egal, und die Kette und Ritzel halten durch den Öler fast ewig. Ich denke die nächste Kette wird auch keine O-Ring mehr sein.
Deine Vorgehensweise ist sicherlich recht genau, aber wenn ich mir das Sparen kann, dann tue ich das auch ;)

Re: Kettenspannung

Verfasst: Mi 11. Sep 2019, 14:59
von SRAndreas
Für eine dauerhaft stabile Kettenspannung hat Hausel eine geniale Laufrolle verbaut, die die Kettenspannung aufrechterhält und das Schlagen der Kette verhindert.
Dazu sieht man ein Bild, in der Rubrik Umbauprojekte, ich glaub sein Thema heißt „Originale Optik mit Verbesserungen“. Ich hab das Teil selber schon gesehen, echt genial.

Gruß
Andreas

Re: Kettenspannung

Verfasst: Fr 13. Sep 2019, 20:03
von Lonzoglunz
Klar, der Aufwand ist erstmal (relativ) groß. Da ich bei der Gelegenheit aber auch gleich den Abstand der Federbeinaufhängung gemessen habe - er beträgt bei meiner SR 283 mm - finde ich die Stellung der Schwinge auch ohne Vorrichtung jederzeit wieder und kann dann die Kettenspannung künftig danach einstellen.

Gruß

Lonzoglunz

Re: Kettenspannung

Verfasst: Sa 14. Sep 2019, 09:44
von fpg
Moin,

...schau doch bitte nach, ob der kettenradträger seitlich kippspiel hat...

der fpg

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 13:39
von Lonzoglunz
Nein fpg,
hatte er definitiv nicht !!! Weil ich meinen Kettenradträger nämlich immer gut abschmiere und so ziemlich von Anfang an O-Ringe verbaut habe, wie sie die gute alte XT noch serienmäßig hatte.
Bei der SR meines Bekannten hatte der KBT gewackelt wie verrückt; da war nichts mehr zu retten. Also haben wir ihn von KEDO auf eine Kugellagerung umbauen lassen. Da ist aber auch keine Kette abgesprungen.
Meine Kette ist nur abgesprungen, weil sie eindeutig zuviel Durchhang hatte. Mal sehen, ob ich mir so einen Kettenspanner basteln kann, wie Hausel an seiner SR. Werde mal versuchen, ob sich ein Zahnriemenspanner eines PKW-Motors dafür eignet. Bin für Anregungen und Ideengebung aus dem Forum sehr dankbar !

Lonzoglunz

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 14:20
von Emmpunkt
Such dir ne passende Schenkelfeder und bau den Rest drumherum :mrgreen:
Ich hatte vorher auch eine Rolle, aber das ständige RRrrrrrr ging mir auf die Nerven, deswegen hab ich die Rolle gegen eine abgerundete Schiene ersetzt. Die macht keine Geräusche. Vielleicht war meine Rolle auch zu hart...
Als Schiene dient bei mir ein Stück HGW.

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 16:23
von rei97
Also:
Wie gut , daß es Wiki gibt.
Jetzt weiß ich auch daß es ein Hartgewebe Duroplast ist, den es auch noch in diversen Sorten gibt.
(Bislang war mir nur HWG ein Begriff :pointer: )
Regards
Rei97

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 16:44
von Emmpunkt
Sorry, :mrgreen: hätte ich vielleicht dabei schreiben sollen.
Ist ein häßliches, grünes Plastik. Sehr langfaserig, extrem schlagzäh. Sehr gleitfreudig.
Lässt sich gut mit konventionellen (scharfen) Werkzeugen bearbeiten, mit Wendeplatten eher schlechter.
Wird bei uns für Gleitschienen und Kettenführungen eingesetzt.
Lässt sich leider nicht lackieren, hält nicht.

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 20:08
von Mattes-do
Ich bin ja der Meinung, bestätigt durch Erfahrung, das eine Sekundärkette wenn sie denn richtig "gespannt" ist nicht abspringen kann.

Des weiteren bin ich der Meinung das ein zusätzlicher Kettenspanner für den unteren Kettentrumm lediglich schmückendes Beiwerk und ansonsten absolut nutzlos ist. Was macht denn zum Beispiel der obere Kettentrumm im Schiebebetrieb? Soll da denn auch noch ein zusätzlicher Kettenspanner hin?
Natürlich immer unter der Voraussetzung das die Kette richtig gespannt ist.

Feuer frei!

Mattes

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 21:11
von rei97
Also:
SR und XT sind da unterschiedlich, weil sie unterschiedliche Federwege haben.
Ich habe eine SR mit längerem Federweg vorne und hinten. Das macht das Einstellen schon komplexer und wenn Federwege wie bei der XT hinten gewünscht sind, kommt man um einen Kettenhalter nicht umhin, der das Rumbambeln vermeidet.
Jeder wie er mag.
Regards
Rei97

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 21:46
von Mattes-do
Ok, ich hätte vielleicht erwähnen sollen das ich von einer seriennahen SR ausgegangen bin.

Das eine XT oder Fahrzeuge mit ähnlichen Hinterradfederwegen schon mit einem zusätzlichen Kettenhalter ausgerüstet sein sollten steht, für mich jedenfalls, außer Frage.

Aber wie Du es schon richtig betitulierst handelt es sich eher um einen Kettenhalter als um einen Kettenspanner.

Mattes

Re: Kettenspannung

Verfasst: So 15. Sep 2019, 23:56
von AllesKlar
auf did 520 Kettenkitt umbauen, schwinge auf max. Abstand einschwingen und kette einstellen.....
Das ist so robust, da braucht man keinen zusätzlichen Kettenhalter oder Spanner an der SR....

wollte ich gesagt haben.

danke, daß ich es durfte.

Re: Kettenspannung

Verfasst: Di 17. Sep 2019, 08:02
von motorang
Von mir eine Stimme FÜR den Kettenspanner. Rattert nicht, und die Kette läuft auch im Schiebebetrieb wesentlich ruhiger. Zudem deutlich robusteres System für den Fall zu großen Kettendurchhanges. Und weniger Theater beim Lastwechsel. Wer so ein Ding noch nicht ausprobiert hat, kann eigentlich nicht wirklich eine (fundierte) Meinung dazu haben ... ich hab 15 Jahre "ohne" und ca. 5 Jahre "mit" ...

Gryße!
Andreas, der motorang

Re: Kettenspannung

Verfasst: Di 17. Sep 2019, 14:28
von rei97
Also:
1+
Für Vielfahrer besonders Winter ist das ein Muss, besonders wenn höhere Federwege gewünscht sind.
Regards
Rei97